Die Nachricht ist schon etwas älter, ich habe sie leider erst jetzt mitbekommen: In Winterberg im Sauerland hat ein eigener Mountainboard-Park eröffnet. Das ist mal richtig geil! Hier erfährst du, was der Park damals zu bieten hatte, was hinter Begriffen wie Boardercross und Freestyle steckt und wo du heute noch mehr über den Sport findest.
Was bietet der Park am Poppenberg?
Betrieben wird der Park von den Skiliften am Poppenberg in Winterberg. Im Winter wird dort Ski gefahren, mit dem Park wollten die Liftbetreiber die Hänge auch im Sommer attraktiv machen. Für Deutschland war das eine Premiere: Der Park in Winterberg gilt als erster Mountainboard-Park des Landes.
Das Angebot konnte sich sehen lassen:
- ein Freestyle-Bereich mit Sprüngen und Hindernissen
- eine Boardercross-Strecke mit mehr als 1.000 Metern Auslauf – damals hieß es, sie sei die längste in Europa
- Lifte, die dich samt Board wieder nach oben bringen, sodass du nicht jedes Mal den Hang hochlaufen musst
- Strecken in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, vom Crosskurs bis zur einfacheren Abfahrt
- Kurse für Anfänger
Gerade der Lift ist ein Riesenvorteil. Wer schon mal mit Board unterm Arm einen Grashang hochgestapft ist, weiß, dass man sonst mehr läuft als fährt.
Was ist eigentlich ein Mountainboard?
Kurz gesagt: ein Snowboard auf vier luftbereiften Rädern, mit gefederten Achsen und Bindungen. Ausführlicher erkläre ich das weiter unten, inklusive Kite-Landboarding und Schutzausrüstung.
Wer lieber sieht als liest, schaut sich einfach diesen Trailer an. Er stammt von den ATBJunkies aus dem Jahr 2007 und zeigt ziemlich gut, was mit so einem Brett alles möglich ist:
„Feuer und Flamme“ fürs Mountainboarding bist du noch nicht? Dann vielleicht wenigstens für einen Ausflug mit dem Board nach Winterberg? Ich finde die Teile mittlerweile jedenfalls richtig geil und mag sie nicht mehr missen.
Boardercross, Freestyle, Downhill: Was ist was?
Mountainboarding kennt mehrere Disziplinen, und ein Park wie der in Winterberg deckt gleich mehrere davon ab.
Boardercross
Beim Boardercross fahren zwei bis vier Fahrer gleichzeitig auf einer eigens angelegten Strecke mit Steilkurven, Wellen und Sprüngen gegeneinander. Wer zuerst unten ist, kommt eine Runde weiter. Weil alle gleichzeitig fahren, geht es oft eng zu, Rempler und Stürze gehören dazu. Genau das macht es so spannend zum Zuschauen.
Freestyle
Beim Freestyle zählen Tricks statt Zeit. Gefahren wird über Schanzen, Rails und Rampen, ganz ähnlich wie beim Skateboarden oder im Snowpark. Je höher, weiter und sauberer der Sprung, desto besser.
Downhill
Downhill ist die ursprüngliche Form des Mountainboardens: allein gegen die Uhr, möglichst schnell den Berg hinunter. Bei langen Abfahrten kommen die Boards mit Handbremse ins Spiel, und spätestens hier solltest du einen Integralhelm tragen.
Bevor du losfährst
Leih dir für den ersten Tag ein Board und nimm, wenn möglich, an einem Einsteigerkurs teil. Helm, Handgelenkschützer und Knieschoner sind auch im Park Pflicht für den eigenen Kopf, selbst wenn niemand kontrolliert. Und fang auf der leichtesten Strecke an, auch wenn der Boardercross lockt.
Mountainboarden: Herkunft, Ausrüstung und Einstieg
2007 bin ich auf diesen Sport gestoßen und war sofort angefixt. Hier das Wichtigste für alle, die selbst aufs Board wollen.
Woher kommt der Sport?
Mountainboarding ist Anfang der 1990er-Jahre entstanden, und zwar ungefähr gleichzeitig an mehreren Orten. In England gründeten Tüftler 1992 die Firma noSno, in den USA entstand 1993 Mountain Board Sports. In beiden Fällen steckten Snowboarder dahinter, die auch im Sommer nicht auf ihr Brett verzichten wollten.
Nach Deutschland kam der Sport über England und Frankreich. Ab etwa 2002 bildete sich im Sauerland eine Szene, ihr erster Stützpunkt war Halver. Von dort stammten übrigens auch die Fotos, die damals diesen Beitrag schmückten – mit freundlicher Unterstützung der Halveraner Mountainboarder. Außerdem gab es damals ein großes deutsches Mountainboard-Forum mit einer regelrechten Fangemeinde. Die Jungs dort waren sehr locker und haben Anfängerfragen immer gelassen beantwortet, zumindest bis zu meinem Beitrag damals. Das Forum ist inzwischen leider offline.
Kite-Landboarding: mit Drachen über die Wiese
Richtig krass wird es, wenn du ein Mountainboard mit einem Lenkdrachen kombinierst. Mit Kite und Trapez – damit die zarten Arme nicht so überanstrengt werden – wird daraus Kite-Landboarding. Der Wind zieht dich über Wiesen, Felder oder Strände, und bei genug Wind sind erstaunlich hohe und weite Sprünge möglich.
Die Videos, die ich damals dazu eingebunden hatte, sind leider längst nicht mehr online. Wenn du es selbst ausprobieren willst, ein paar Grundregeln:
- Fang mit einem kleinen Trainerkite an und lern erst die Steuerung, bevor du dich aufs Board stellst.
- Such dir eine große, freie Fläche ohne Bäume, Zäune, Straßen und vor allem ohne Stromleitungen.
- Halte großen Abstand zu Menschen und Tieren.
- Kläre vorher, ob Kiten auf der Fläche erlaubt ist. Felder und Wiesen gehören jemandem, und an vielen Stränden gelten eigene Regeln.
Welche Schutzausrüstung brauchst du?
Ohne ausreichende Schutzausrüstung würde ich mich nicht auf so ein Board stellen, schon gar nicht im Gelände. Helm, Knieschützer, Ellbogenschützer und eine dicke Schutzschicht für die Finger waren schon 2007 meine Mindestanforderung. Heute gilt in etwa diese Ausstattung als sinnvoll:
- Helm: Pflicht. Für schnelle Abfahrten ist ein Integralhelm mit Kinnbügel sicherer.
- Handgelenkschützer oder Handschuhe mit Schienen: Beim Sturz fängst du dich fast immer mit den Händen ab.
- Knie- und Ellbogenschützer
- Gepolsterte Protektorenhose: Schützt Hüfte und Steißbein.
- Rückenprotektor oder Protektorenjacke: Vor allem für Downhill und Sprünge.
Erst ausprobieren, dann kaufen
Viele Neulinge stellen sich die gleiche Frage wie ich damals: Wie viel muss ich mindestens investieren, damit es Spaß macht und ich nicht nach dem ersten Sturz frustriert aufgebe? Mein Rat: Probier den Sport zuerst bei einem Kurs oder mit einem Leihboard aus. Steck das Geld dann zuerst in Helm und Protektoren und erst danach in ein besseres Board. Ein gebrauchtes Einsteigerboard reicht für den Anfang völlig.
Worauf solltest du als Neueinsteiger achten?
Als Neueinsteiger kann man einiges verkehrt machen. Beim Brett geht es los, bei der Ausrüstung hört es auf. Ein paar Punkte helfen dir über die ersten Stunden:
- Klein anfangen: Üben auf einem flachen, kurzen Grashang ist sicherer als gleich der große Berg.
- Tempo kontrollieren lernen: Ohne Handbremse regelst du die Geschwindigkeit ähnlich wie beim Snowboarden über Kurven quer zum Hang, zum Anhalten lenkst du bergauf. Das solltest du sicher beherrschen, bevor du schneller wirst.
- Luftdruck anpassen: Mit mehr Luft rollt das Board schneller, mit weniger Luft greift und dämpft es besser.
- Nicht allein fahren: Gerade im Gelände ist es gut, wenn jemand dabei ist, falls doch etwas passiert.
Was ist aus dem Sport geworden?
Mountainboarding ist eine Nischensportart geblieben, aber eine mit treuer Szene. Es gibt bis heute Weltmeisterschaften in den Disziplinen Freestyle, Downhill und Boardercross. In Deutschland gilt die All-Terrain-Boarding-Association Germany als zentraler Verein der Szene.
Ein knappes Jahr später, 2008, eröffnete in Winterberg übrigens ein eigener Mountainboard-Park mit Boardercross-Strecke, den ich oben beschreibe. Wer Action an der frischen Luft mag, findet hier im Blog außerdem meinen Besuch im Kletterwald.
Gibt es den Park heute noch?
Das kann ich dir leider nicht verlässlich sagen. Das Forum von damals ist offline, und Angebote im Sommerbetrieb von Skigebieten ändern sich immer wieder. Wenn du hinfahren willst, frag am besten vorher bei den Liftbetreibern am Poppenberg oder bei der Tourist-Information Winterberg nach, ob und wann gefahren werden kann.
Fest steht: Der Sport selbst lebt weiter. Es gibt bis heute internationale Meisterschaften im Freestyle, Downhill und Boardercross. Und wer einfach Lust auf Action an der frischen Luft hat, findet hier im Blog auch meinen Ausflug in den Kletterwald.
Weiterführender Stoff von damals
2008 habe ich auch nach weiterführendem Material aus Deutschland gesucht, nur leider gab es da kaum etwas zum Mountainboard. Ein paar englischsprachige Quellen hatte ich damals verlinkt, darunter die Meldung zur Parkeröffnung auf mountainboard.net, ein Freestyle-Video vom WhiteAir 2006 und ein Demo-Video. Die sind inzwischen alle offline, ebenso der Forumsthread zu Winterberg.
Überlebt hat ein Fundstück aus Brasilien: die Ankündigung zum Desafio da República de Mountainboard 2008 in Brasília, einer Etappe der brasilianischen Meisterschaft mit Boardercross und Big Air. Schön zu sehen, dass der Sport schon damals weltweit Fans hatte.
Mein Fazit
Ein eigener Park mit Lift und Boardercross-Strecke war 2008 für die deutsche Mountainboard-Szene ein echter Meilenstein. Ich hätte damals sofort meine Sachen gepackt. Wer heute hinwill, sollte vorher nachfragen, was noch geht – und dann auf jeden Fall Helm und Protektoren mit einpacken.
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