Eine Kremserfahrt ist eine gemütliche Ausfahrt auf einem Kremser: einem offenen oder mit Plane überdachten Pferdewagen mit Sitzbänken an den Seiten. Kennt man eigentlich in den „alten“ Bundesländern den Kremser? Oder heißt das bei euch nur ganz langweilig Planwagenfahrt? Egal, wie du es nennst: Im August 2008 ging es für uns mit so einem Gefährt auf die Piste, rund um Colditz. Hier erzähle ich dir, was mich damals überrascht hat, und was du heute vor einer Kremserfahrt wissen solltest.
Kremser, Planwagen, Kutsche – was ist was?
Ein Kremser ist ein offener oder mit Plane überdachter Pferdewagen mit längs angeordneten Sitzbänken, auf dem eine ganze Gruppe Platz findet. Im Osten sagt man Kremser, anderswo eher Planwagen, gemeint ist fast immer dasselbe: gemütlich mit ein bis zwei Pferdestärken (diesmal im Wortsinn) durch die Landschaft zuckeln. Eine Kutsche ist dagegen meist kleiner und für wenige Fahrgäste gebaut.
Der Name hat übrigens nichts mit der Stadt Krems in Österreich zu tun, wie man manchmal liest. Er geht auf den Berliner Fuhrunternehmer Simon Kremser (1775–1851) zurück. Der bekam 1825 vom preußischen König die Konzession, am Brandenburger Tor Wagen für den Personenverkehr aufzustellen, zuerst auf der Strecke von Berlin nach Charlottenburg. Seine „Kremserwagen“ gaben dem ganzen Wagentyp den Namen, der sich bis heute gehalten hat.
Unser Kremser war besser ausgestattet als mancher Kleinwagen
Was mich damals wirklich überrascht hat, waren die Sicherheitsvorkehrungen, die von der Gemeinde vorgeschrieben wurden. Ich hätte fast „Abzocke“ geschrieben, aber nein, Sicherheit ist schon richtig so. Das war Pflicht:
- Scheibenbremse inklusive Feststellbremse
- Blinkanlage
- Rücklicht und Bremslicht
- ein Personenbeförderungsschein für den Kutscher, und den Rest habe ich vergessen
Unser Modell hatte sogar noch ein paar Extras zu bieten:
- Alufelgen. Ja, wirklich.
- eine Nachtleuchte in der „Kabine“, oder wie auch immer man den Fahrgastraum bei einem Kremser nennt
Der Kremser war quasi up to date.
Anderthalb Stunden durchs Colditzer Land
Natürlich kam ich nicht umhin, ein paar Fotos zu schießen: vom Planwagen selbst, von der Fahrt und von einem der Pferde. Ich bin zwar nicht so der große Tier- und schon gar nicht der Pferdefan, aber dieses hier fand ich schon sehr ansehnlich. Als kleine Aufmerksamkeit gab es unterwegs sogar noch etwas zu naschen. Und dann war da noch ein Foto von edlem Holz, das mir richtig gut gefiel, das ich aber nirgends so recht unterbringen konnte. Die Bilder von damals gibt es leider nicht mehr.
Wir waren ungefähr anderthalb Stunden unterwegs, und die Pferde schienen auch ihren Spaß zu haben. Gefahren wurde mit einem Kremser aus Colditz. Das Einzugsgebiet dürfte damals Colditz, Schönbach, Hohnbach, Hausdorf, Podelwitz und Möseln umfasst haben. Gäste aus Grimma, Rochlitz, Bad Lausick oder Hartha waren aber genauso willkommen, sie mussten nur nach Colditz kommen. Den Colditzer Wald mal vom Kremser aus zu erkunden, hat schon was.
Colditz liegt an der Zwickauer Mulde, die Gegend ist hügelig und hat viel Wald und Feld. Für eine Tour im Schritttempo ist das ideal, weil hinter jeder Kuppe ein neuer Ausblick wartet. Wenn du schon mal dort bist, schau dir auch das Colditzer Schloss an. Und wer wie ich einen Teil seiner Kindheit dort verbracht hat, findet vielleicht auch die Geschichte vom Colditzer Porzellanwerk spannend.
Gibt es den Anbieter von damals noch?
Im Originalbeitrag stand die Adresse des Kremserbetriebs, mit dem wir unterwegs waren. Ob es das Angebot heute noch gibt, ist offen, deshalb steht sie hier nicht mehr. Wenn du in der Gegend eine Kremserfahrt suchst, frag am besten bei der Touristinformation in Colditz oder in den Nachbarorten nach. Die kennen die Anbieter vor Ort.
Welche Regeln gelten heute für Kremserbetriebe?
Meine Liste von 2008 kam mir damals ziemlich streng vor. Tatsächlich gibt es kein bundesweit einheitliches „Kremsergesetz“. Die Regeln setzen sich aus Straßenverkehrsrecht, Tierschutzrecht und Vorgaben der Länder und Kommunen zusammen. Die Details unterscheiden sich deshalb je nach Region.
Ein paar Dinge sind aber typisch:
- Erlaubnis vom Veterinäramt: Wer gewerbsmäßig Fahrten mit Pferden anbietet, braucht eine tierschutzrechtliche Erlaubnis.
- Befähigung des Fahrers: Verlangt wird meist ein Nachweis wie der Kutschenführerschein der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) oder eine vergleichbare Prüfung. Der klassische Personenbeförderungsschein, wie ich ihn damals im Kopf hatte, ist eigentlich für Kraftfahrzeuge wie Taxis gedacht.
- Technische Prüfung: Wagen, Bremsen und Beleuchtung müssen verkehrssicher sein, die zulässige Zahl an Sitzplätzen wird bei einer Prüfung festgelegt.
- Tierschutz: Einsatzzeiten, Pausen, Wasser und Hitzeregeln für die Pferde.
Wie konkret das aussehen kann, zeigt Brandenburg. Ein Erlass des Landes von 2022 begrenzt dort die tägliche Einsatzzeit der Pferde auf höchstens neun Stunden und schreibt zwei Pausen von mindestens einer halben Stunde vor. Ab 25 Grad müssen die Tiere mindestens alle zwei Stunden getränkt werden, und bei Dauerhitze über 30 Grad im Schatten sind zusätzliche Pausen fällig. Berlin hat ähnliche Leitlinien für Pferdefuhrwerksbetriebe. In anderen Ländern kann es abweichende Regeln geben.
Sicherheit geht vor
Ein Pferd bleibt ein Fluchttier, auch wenn es noch so gelassen wirkt. Bleib während der Fahrt sitzen, halt Kinder in der Wagenmitte, lass laute Musik und Knallerei weg und füttere die Pferde nur, wenn der Kutscher es erlaubt. Alkohol gehört bei vielen Touren dazu, aber in Maßen. Wer sich danebenbenimmt, riskiert, dass der Kutscher die Fahrt abbricht.
Worauf du bei der Buchung achten kannst
Eine Kremserfahrt ist ein schönes Erlebnis für Geburtstage, Familienfeiern, Vereinsausflüge oder den Herrentag, an dem im Osten traditionell gern der Kremser rollt. Damit es für Mensch und Tier entspannt bleibt, helfen ein paar Fragen vorab:
- Wie viele Personen dürfen mit? Die Zahl der Plätze ist festgelegt. Mehr Leute als Sitzplätze geht nicht.
- Wie lang ist die Tour, und wo gibt es Pausen? Anderthalb bis drei Stunden sind üblich. Längere Touren haben meist einen Zwischenstopp.
- Was ist im Preis drin? Die Preise unterscheiden sich je nach Region, Dauer und Gruppengröße stark. Frag nach, ob es eine Pauschale oder einen Stundenpreis gibt und ob Anfahrt oder Wartezeiten extra kosten.
- Wie sieht es mit Verpflegung aus? Manche Anbieter haben Getränke und Snacks dabei, bei anderen bringst du selbst etwas mit.
- Was passiert bei Hitze oder Unwetter? Seriöse Anbieter verschieben oder verkürzen Fahrten bei großer Hitze, statt die Pferde durchzuquälen.
- Wie geht es den Pferden? Ein glänzendes Fell, passendes Geschirr ohne Scheuerstellen und ein Kutscher, der gern über seine Tiere spricht, sind gute Zeichen.
Was du einpacken solltest
Auch im Sommer kann es auf dem Wagen durch den Fahrtwind frisch werden. Eine Jacke oder Decke, feste Schuhe für das Ein- und Aussteigen, Sonnenschutz und Mückenspray machen die Fahrt deutlich angenehmer. Für Fotos während der Fahrt brauchst du eine kurze Belichtungszeit, denn der Wagen wackelt mehr, als du denkst. Die schönsten Pferdebilder gelingen ohnehin in der Pause, wenn das Gespann steht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kremser und Planwagen?
Im Grunde keiner. Kremser ist der Begriff, der vor allem im Osten Deutschlands verbreitet ist, Planwagen ist im Westen und Norden üblicher. Gemeint ist jeweils ein Pferdewagen mit Sitzbänken für eine Gruppe.
Woher kommt der Name Kremser?
Vom Berliner Fuhrunternehmer Simon Kremser, der ab 1825 mit einer königlichen Konzession Ausflugswagen am Brandenburger Tor einsetzte. Mit der Stadt Krems hat der Name nichts zu tun.
Wie lange dauert eine Kremserfahrt?
Meist zwischen anderthalb und drei Stunden. Unsere Fahrt 2008 dauerte rund anderthalb Stunden, und das war für einen gemütlichen Nachmittag genau richtig.
Mein Fazit
Kremser fahren macht Spaß, und zwar auch Leuten wie mir, die eigentlich keine Pferdefans sind. Anderthalb Stunden durchs Colditzer Land, ein Wagen mit Scheibenbremse und Alufelgen und zwei gut gelaunte Pferde: Mehr braucht ein entspannter Sommertag nicht. Wenn du selbst eine Fahrt buchst, achte auf einen Anbieter, dem es sichtbar um seine Tiere geht.
Schreibe einen Kommentar