Businessplan erstellen – wie?

Von der Geschäftsidee bis zur Altersvorsorge: meine Businessplan-Fragenliste von 2007, ergänzt um Finanzteil, typische Fehler und Förderwege (Stand 2026).

6–9 Minuten

Ein neuer Monat, ein neues Problem: Im August 2007 stand ich vor der Frage, wie man eigentlich einen Businessplan erstellt. Herausgekommen ist eine Liste mit Fragen, die man sich dabei stellen sollte – und, ganz wichtig, die man auch beantworten muss. Hier findest du diese Liste, aufgeräumt und ergänzt um das, was ihr damals noch fehlte: den Finanzteil, typische Fehler und die wichtigsten Förderwege.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Businessplan ist zuerst ein Realitätscheck für dich selbst und dann die Eintrittskarte bei Bank, Förderstelle oder Arbeitsagentur.
  • Die Grundstruktur: Idee, Gründerperson, Markt, Wettbewerb, Organisation, Standort, Rechtliches, Finanzen.
  • Der Finanzteil mit Kapitalbedarf, Rentabilität und Liquidität entscheidet meist über Ja oder Nein.
  • Wer Gründungszuschuss, KfW-Kredit oder EXIST-Förderung will, braucht einen schlüssigen Businessplan.

Wofür brauchst du einen Businessplan?

Viele denken beim Businessplan zuerst an die Bank. Der wichtigste Leser bist aber du selbst. Wer seine Idee einmal sauber aufschreibt, merkt schnell, wo es hakt: ob es überhaupt genug Kunden gibt, ob die Preise die Kosten decken und ob am Ende genug zum Leben übrig bleibt.

Daneben brauchst du den Plan ganz praktisch:

  • Für Kredite: Banken und Förderbanken wollen sehen, dass sich das Vorhaben rechnet.
  • Für Förderungen: Der Gründungszuschuss der Arbeitsagentur setzt einen Businessplan voraus, ebenso viele Förderprogramme von Bund und Ländern.
  • Für Partner und Investoren: Wer Geld oder Zeit in deine Idee steckt, will wissen, wohin die Reise geht.

Wie ist ein Businessplan aufgebaut?

Eine feste Norm gibt es nicht, aber eine bewährte Reihenfolge, die Banken und Förderstellen erwarten:

  1. Zusammenfassung: eine Seite mit dem Wichtigsten. Sie steht vorn, wird aber zuletzt geschrieben.
  2. Geschäftsidee: Produkt oder Dienstleistung und ihr Nutzen.
  3. Gründerperson oder Team: Ausbildung, Erfahrung, Stärken.
  4. Markt und Wettbewerb: Zielgruppe, Marktgröße, Konkurrenz.
  5. Marketing und Vertrieb: Wie erfahren die Kunden von dir, und wie kommen sie an dein Angebot?
  6. Organisation, Personal und Standort
  7. Rechtsform, Genehmigungen und Versicherungen
  8. Chancen und Risiken
  9. Finanzplan: Kapitalbedarf, Finanzierung, Rentabilität, Liquidität.

Meine Fragenliste von 2007

Die Fragen von damals passen erstaunlich gut zu dieser Gliederung. Ich habe sie sortiert und sprachlich geglättet, inhaltlich sind sie aber geblieben.

Geschäftsidee

  • Was ist meine Geschäftsidee, ein Produkt oder eine Dienstleistung?
  • Welchen Nutzen hat mein Angebot?
  • Wie bekannt ist so ein Produkt oder eine solche Dienstleistung schon?
  • Welchen Service biete ich?
  • Was kann ich anders oder besser machen als die Mitbewerber?
  • Warum soll jemand ausgerechnet bei mir kaufen?

Persönliche Voraussetzungen

  • Welche schulische und berufliche Ausbildung habe ich?
  • Welche Fähigkeiten habe ich, um ein Unternehmen zu führen – und welche nicht?
  • Reichen meine kaufmännischen Kenntnisse aus?
  • Ist meine Qualifikation für die Selbstständigkeit ausreichend?
  • Welche Erfahrungen habe ich in der Branche?
  • Welche finanziellen Verpflichtungen habe ich?
  • Wie steht es um meine Gesundheit?
  • Wie sorge ich für Krankheit und Unfall vor, und wer hilft mir im Notfall?
  • Unterstützt mich mein Partner oder meine Partnerin beim Vorhaben?

Markteinschätzung

  • Wer ist meine Zielgruppe?
  • Kenne ich die Wünsche meiner Kunden?
  • Wie viel ist mir das Marketing wert?
  • Mache ich mich von einzelnen Großkunden abhängig?
  • Gibt es schon Kundenkontakte?
  • Kenne ich die Vergleichszahlen meiner Branche, zum Beispiel von Kammern und Verbänden?

Gerade die Marketingfrage wird gern unterschätzt. Wie schnell da Geld zusammenkommt, zeigte mir 2008 ein Angebot über 80 Euro für eine einzige Pressemitteilung.

Wettbewerb

  • Besetze ich eine Marktnische? Bin ich der Einzige?
  • Wer sind meine Konkurrenten?
  • Welchen Service biete ich zu welchem Preis?
  • Wo ist die Konkurrenz besser, wo schlechter als ich?
  • Womit biete ich meinen Kunden einen höheren Nutzen?

Produktion oder Dienstleistung

  • Wie wird der Betrieb aufgebaut, von Einkauf über Produktion bis Vertrieb?
  • Was brauche ich für die Herstellung oder die Dienstleistung?
  • Was brauche ich für den Vertrieb?
  • Wie stelle ich sicher, dass genug Material vorrätig ist?
  • Welche Mitarbeiter brauche ich, mit welchen Qualifikationen und für welchen Zeitraum?
  • Was kann ich auslagern?

Standort

  • Welche Bedingungen muss der Standort erfüllen?
  • Kenne ich geeignete Standorte?
  • Gibt es in meinem Umfeld genügend Kunden?
  • Wie ist die Verkehrsanbindung?
  • Wie viel Gewerbefläche brauche ich, was kostet sie marktüblich, und gibt es günstigere Alternativen?

Zukunftsaussichten

  • Welche Ziele setze ich mir für die Firma?
  • Mit welchen Maßnahmen will ich sie erreichen?
  • Wie könnte sich die Branche entwickeln?
  • Wie entwickelt sich die Nachfrage nach meinem Angebot?
  • Wird es mehr Konkurrenz geben?
  • Wie reagiere ich, wenn Markt oder Nachfrage einbrechen?
  • Gibt es vergleichbare Branchen, an denen ich mich orientieren kann?

Rechtsform, Genehmigungen, Absicherung

  • Welche Rechtsform strebe ich an?
  • Wie sieht die Gesellschafterstruktur aus, und wer übernimmt bei mehreren Gründern welche Aufgabe?
  • Welche Genehmigungen brauche ich für den Betrieb oder für einzelne Tätigkeiten?
  • Welche betrieblichen Versicherungen brauche ich?
  • Wie sichere ich meine Familie ab?
  • Wie sorge ich als Selbstständiger fürs Alter vor?

Die letzten beiden Punkte sind wichtiger, als sie auf den ersten Blick wirken. Eine Krankenversicherung ist in Deutschland Pflicht, auch für Selbstständige. In die gesetzliche Rentenversicherung zahlen dagegen viele Selbstständige nicht automatisch ein, Ausnahmen gelten etwa für bestimmte Handwerker oder für Künstler und Publizisten über die Künstlersozialkasse. Die Altersvorsorge musst du also meist selbst planen und im Finanzteil einrechnen.

Der Finanzteil: Hier wird es ernst

In meiner Liste von 2007 fehlte der Teil, auf den Banken und Förderstellen am genauesten schauen: die Zahlen. Ein solider Finanzteil besteht aus mehreren Bausteinen:

BausteinWas er zeigt
Kapitalbedarfsplanwas du für den Start brauchst, von Ausstattung bis Anlaufkosten
Finanzierungsplanwoher das Geld kommt: Eigenkapital, Kredite, Fördermittel
Rentabilitätsvorschauerwartete Umsätze, Kosten und Gewinn, meist für drei Jahre
Liquiditätsplanob du Monat für Monat zahlungsfähig bleibst

Dazu gehört eine ehrliche Aufstellung deiner privaten Lebenshaltungskosten, inklusive Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und Steuern. Denn der Gewinn deiner Firma ist nicht dein Gehalt: Davon gehen noch Versicherungen und Einkommensteuer ab.

Typische Fehler im Businessplan

  • Zu optimistische Umsätze: Plane lieber vorsichtig und rechne zusätzlich ein schlechteres Szenario durch.
  • Anlaufzeit vergessen: Kunden kommen selten ab dem ersten Tag. Die Durststrecke muss finanziert sein.
  • Kein Puffer: Unerwartete Kosten kommen bestimmt. Plane eine Reserve ein.
  • Steuern übersehen: Umsatzsteuer, Einkommensteuer-Vorauszahlungen und eventuell Gewerbesteuer belasten die Liquidität.
  • Zahlen ohne Begründung: Jede Annahme sollte nachvollziehbar sein, etwa durch Branchenzahlen, Angebote oder Vorverträge.

Welche Förderung gibt es für Gründer?

Wenn du deinen Businessplan fertig hast, lohnt sich ein Blick auf die Förderlandschaft. Die wichtigsten Wege im Überblick, Stand 2026:

  • Gründungszuschuss: Die Agentur für Arbeit kann Gründer unterstützen, die Arbeitslosengeld I beziehen und beim Start noch mindestens 150 Tage Restanspruch haben. Nötig sind ein Businessplan und eine Tragfähigkeitsbescheinigung einer fachkundigen Stelle, etwa der IHK, der Handwerkskammer oder eines Steuerberaters. In den ersten sechs Monaten gibt es das bisherige Arbeitslosengeld plus 300 Euro monatlich für die soziale Absicherung, danach sind weitere neun Monate mit 300 Euro möglich. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht, die Agentur entscheidet nach Ermessen. Beantragen musst du den Zuschuss, bevor du startest.
  • KfW-Gründerkredite: Die staatliche Förderbank KfW bietet zinsgünstige Kredite für Gründer an, etwa den ERP-Gründerkredit StartGeld. Beantragt wird nicht direkt bei der KfW, sondern über deine Hausbank.
  • EXIST: Das Programm des Bundeswirtschaftsministeriums fördert Gründungen aus Hochschulen und Forschung, etwa mit dem EXIST-Gründungsstipendium. Für Studierende, Absolventen und Wissenschaftler ist der erste Ansprechpartner das Gründungsnetzwerk der eigenen Hochschule. Infos gibt es auf exist.de.
  • Förderbanken der Länder: Jedes Bundesland hat eigene Programme, in Sachsen etwa über die Sächsische Aufbaubank.

Einen guten Einstieg mit Vorlagen für den Businessplan, Checklisten und einer Karte regionaler Beratungsstellen bietet das Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums.

Förderbedingungen ändern sich

Förderprogramme, Höchstbeträge und Voraussetzungen werden regelmäßig angepasst. Prüfe deshalb immer die aktuellen Bedingungen direkt bei der jeweiligen Stelle und lass dich beraten, bevor du etwas unterschreibst oder deine Selbstständigkeit startest. Kostenlose Erstberatung bieten zum Beispiel die Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern an.

Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Businessplan sein?

So kurz wie möglich, so ausführlich wie nötig. Für eine kleine Gründung reicht oft ein kompakter Plan, solange alle Kapitel und ein vollständiger Finanzteil enthalten sind. Seitenlange Textwüsten liest niemand gern.

Brauche ich für eine kleine Nebengründung einen Businessplan?

Pflicht ist er nicht, gefordert wird er meist nur, wenn du Geld von Bank, Förderstelle oder Arbeitsagentur willst. Sinnvoll ist er trotzdem, denn auch bei einer kleinen Gründung musst du wissen, ob sich der Aufwand lohnt.

Gibt es Vorlagen für einen Businessplan?

Ja, zum Beispiel beim Existenzgründungsportal des Bundes, bei der KfW sowie bei vielen Kammern und Banken. Nutze sie als Gerüst, aber füll sie mit deinen eigenen, begründeten Zahlen.

Wer stellt die Tragfähigkeitsbescheinigung aus?

Eine fachkundige Stelle, zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, ein Steuerberater oder eine Bank. Sie prüft, ob dein Vorhaben auf Basis des Businessplans wirtschaftlich tragfähig erscheint.

Mein Fazit

Meine Fragenliste von 2007 war ein guter Anfang, aber ohne Zahlen bleibt jeder Businessplan ein Wunschzettel. Ich würde heute mit genau diesen Fragen starten, dann den Finanzteil ehrlich durchrechnen und erst danach zur Bank oder zur Förderstelle gehen. Wer seine Antworten schwarz auf weiß hat, verhandelt deutlich entspannter.

Kommentare

2 Kommentare zu „Businessplan erstellen – wie?“

  1. Avatar von ernie troelf

    Ja dann viel Erfolg.
    Ich habe diesen Krempel glücklicherweise schon hinter mir.

  2. Avatar von Patrick

    😉 Hehe ist gerade im Druck. Na mal sehen was daraus wird. 🙂
    Aber coole Sache, das du dich mal gemeldet hast. Deine Blogurl ist mir abhanden gekommen! Hätte heut oder morgen noch ne E-Maiul geschrieben. 🙂

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