AIDSTEST DO IT YOURSELF -Spam-

2007 wollten Spammer, dass du „Aidstest do it yourself“ googelst. Heute sind HIV-Selbsttests legal – worauf du achten musst und wie du Spam und Phishing erkennst.

4–6 Minuten

Im September 2007 ist mir eine neue Sorte Spam-Mail auf den Keks gegangen. Darin stand kein Link, sondern nur die Aufforderung, „AIDSTEST DO IT YOURSELF“ in die bekannte Suchmaschine einzugeben. Ein paar Blogger hielten mit eigenen Beiträgen dagegen, und ich hab mitgemacht. Hier liest du, wie die Masche funktionierte, was du heute über HIV-Selbsttests wissen solltest und woran du Spam und Phishing erkennst.

Die Masche von 2007

Die Idee der Spammer war ziemlich clever. Weil die Mail selbst keinen Link enthielt, rutschte sie an vielen Spamfiltern vorbei. Wer neugierig wurde, googelte den Begriff und landete im Idealfall auf der Seite der Absender. Jan Theofel hat das damals in seinem Blog ausführlich beschrieben und sich vor allem darüber geärgert, dass Spammer ausgerechnet ein so sensibles Gesundheitsthema ausschlachten.

Die Gegenstrategie der Blogger: selbst über den Begriff schreiben und so die Suchergebnisse mit Warnungen füllen. Meine Chancen, mit zuendy.de in die Top Ten zu kommen, hab ich als minimal eingeschätzt. Also hab ich das Zepter an zwei Blogs weitergereicht, die schon darüber geschrieben hatten, und mir gewünscht, dass irgendwer auf eine wirklich passende Infoseite verweist. Genau das hole ich hier nach.

Warum ausgerechnet ein HIV-Test?

Weil die Spammer auf Angst und Scham gesetzt haben. Wer sich Sorgen um eine mögliche Ansteckung macht, möchte das oft lieber still und anonym klären. 2007 waren HIV-Tests für zu Hause in Deutschland aber gar nicht frei erhältlich. Was die Spammer verkauften, war also bestenfalls fragwürdig. Schlimmer als ein Test, der gar nicht ankommt, wäre einer, der fälschlich „negativ“ anzeigt – dann wiegt sich jemand in falscher Sicherheit.

HIV-Selbsttests heute: legal und sinnvoll

Seit dem 29. September 2018 dürfen HIV-Selbsttests in Deutschland auch direkt an Privatleute verkauft werden. Die Medizinprodukte-Abgabeverordnung wurde dafür geändert. Du bekommst sie in Apotheken, Drogerien und online. Laut Deutscher Aidshilfe kostet ein Test einzeln bestellt rund 20 Euro plus Versand, manche Produkte bis zu 50 Euro (Stand 2026). In Testprojekten oder bei Gesundheitsämtern gibt es sie oft günstiger oder sogar kostenlos.

Die Tests arbeiten mit einem Tropfen Blut aus der Fingerkuppe und suchen nach Antikörpern gegen HIV. Das Ergebnis ist je nach Produkt nach wenigen Minuten ablesbar.

Darauf musst du beim Selbsttest achten

  • CE-Kennzeichen: Kauf nur Tests mit CE-Zeichen, die für Laien gedacht, in Europa zugelassen und mit deutscher Gebrauchsanweisung versehen sind.
  • 12 Wochen warten: Ein negatives Ergebnis ist erst sicher, wenn die Risikosituation mindestens zwölf Wochen zurückliegt. Vorher können noch zu wenige Antikörper da sein.
  • Reaktiv heißt nicht positiv: Ein reaktives Ergebnis muss immer mit einem Labortest bestätigt werden, etwa in der Arztpraxis, beim Gesundheitsamt oder in einem Checkpoint der Aidshilfe.
  • PrEP oder PEP: Wenn du Medikamente zur HIV-Vorsorge nimmst oder genommen hast, kann der Selbsttest falsch negativ ausfallen. Lass dich dann ärztlich testen.

Und wenn das Risiko gerade erst passiert ist?

Dann hilft dir kein Selbsttest weiter. Liegt die Risikosituation erst Stunden zurück, kann eine sogenannte PEP (Postexpositionsprophylaxe) eine Ansteckung möglicherweise noch verhindern. Die wirkt aber nur, wenn sie sehr schnell beginnt. Geh in so einem Fall sofort zu einer HIV-Schwerpunktpraxis oder in die Notaufnahme einer Klinik.

Beratung bekommst du anonym und kostenlos bei den Aidshilfen, persönlich, telefonisch oder online. Alles Wichtige zum Selbsttest hat die Deutsche Aidshilfe zusammengestellt – das ist die passende Infoseite, die ich mir 2007 gewünscht hätte.

So erkennst du Spam und Phishing

Die Aidstest-Mail war ein Vorgeschmack auf das, was heute Alltag ist. Spam und Phishing sind raffinierter geworden, die Muster aber ähnlich geblieben. Typische Warnzeichen:

  • Druck und Gefühle: Angst, Scham, Zeitdruck oder ein unglaubliches Angebot. Je stärker eine Mail dich zum sofortigen Handeln drängt, desto misstrauischer solltest du sein.
  • Absender prüfen: Der angezeigte Name sagt nichts. Schau dir die tatsächliche Mailadresse an. Absenderadressen lassen sich leicht fälschen.
  • Links und Umwege: Fahr mit der Maus über einen Link, bevor du klickst, und prüf das Ziel. Vorsicht auch bei QR-Codes oder der Aufforderung, etwas zu googeln.
  • Anhänge: Infizierte Anhänge sind laut BSI nach wie vor der häufigste Weg, über den Schadsoftware verbreitet wird.
  • Datenabfrage: Keine seriöse Bank, kein Paketdienst und kein Streamingdienst fragt per Mail nach Passwort, PIN oder TAN.
  • Gesundheitsversprechen: Medikamente ohne Rezept, Wundermittel oder Tests aus unbekannten Shops sind ein klassisches Spam-Thema. Medizinprodukte kaufst du besser in der Apotheke oder bei bekannten Händlern.

Was du mit Spam tun solltest

Nicht antworten, nicht klicken, keine Anhänge öffnen – einfach löschen. Bei Phishing im Namen deiner Bank oder eines Shops kannst du das echte Unternehmen über die dir bekannte Adresse informieren. Hilfreiche Erklärungen zu Spam und Phishing findest du beim BSI.

Was aus der Blogger-Aktion geworden ist

Die Idee, Spammern mit eigenen Beiträgen die Suchergebnisse zu verhageln, war typisch für die Blogosphäre von 2007. Man kannte sich, man verlinkte sich und zog an einem Strang. Heute filtern Suchmaschinen solche Spam-Seiten deutlich besser aus. Die Abzocker sind trotzdem nicht verschwunden, sie schalten heute eher Werbeanzeigen oder bauen Fake-Shops. Wie man übrigens menschliche Spammer in Foren erkennt, hab ich ein paar Monate später aufgeschrieben. Und wer sich wundert, wer uns das ganze E-Mail-Schlamassel eingebrockt hat: Dazu passt mein Beitrag über Werner Zorn.

Mein Fazit

Die Spammer von 2007 haben mit einem ernsten Thema Kasse machen wollen, und das ärgert mich bis heute. Die gute Nachricht: HIV-Selbsttests gibt es inzwischen legal und geprüft. Kauf sie nur mit CE-Zeichen, halte das Zwölf-Wochen-Fenster ein und lass ein reaktives Ergebnis immer bestätigen. Und bei Mails, die dir Angst machen wollen: erst durchatmen, dann löschen.

Kommentare

8 Kommentare zu „AIDSTEST DO IT YOURSELF -Spam-“

  1. Avatar von Ole

    Danke für deinen selbstlosen Link! 🙂

    Ich habe diesen Beitrag nicht mit der Absicht geschreiben Traffic zu erhalten, sondern mit dem Ziel, die Seite, auf der diese nachgemachten Aidstests verkauft werden aus den Top 10 zu verdrängen. EDamit niemand auf die Idee kommt, dort einzukaufen!

  2. Avatar von Patrick

    Jup ich weiß doch. 😀 Sonst hätte ich nicht auf Dich verlinkt. Ging nur darum das ich es Zehnmal lieber sehe, das Du Traffic hast als diese Spammer…

  3. Avatar von Ole

    Danke!

    Wieviel Traffic bekommst du eigentlich über mich? Du bist der aktivste Kommentierer! 🙂

  4. Avatar von Patrick

    Öhm eigentlich, wenn ich mal so genau schaue bis jetzt 5 oder 6 Leute… ^^
    Wenn du mal genau schaust baue ich nur selten meinen Link bei Dir ein. 😀

  5. Avatar von Patrick

    So habe jetzt nochmal richtig geschaut. 🙂 Es waren genau 6 unique Visitors. ^^

  6. Avatar von Jan Theofel

    Guter Ansatz. Aus diesem Grund habe ich das auch gebloggt. Und siehe da: Die ersten drei Plätze bei Google sind schon meine (direkt der erste und zwei und drei über yigg.de) Ich verlinke euch noch schnell. 🙂

  7. Der Spammer und googeln nach „AIDSTEST DO IT YOURSELF“…

    Tja, da hat dieser Spammer der Werbung „such mal nach Aidstest do it yourself“ wohl nicht mit ein paar eifrigen Bloggern gerechnet, wie? Nun schauen wir doch mal nach, wer so beim googeln nach Aidtest do it yourself ganz……

  8. Avatar von Patrick

    Na ich bin ja mal gespannt wie ein Flitzbogen! Ob das so funzt, wie ich mir das denke…

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