Oh Mann, da gibt es doch endlich mal etwas, womit man die Realität mit der virtuellen Zockerei kombinieren kann. Dafür brauchst du nur eine AR.Drone von Parrot, einen Quadrocopter, der sich per WLAN vom iPhone aus steuern lässt. Hier steht, was mich 2010 daran so gereizt hat, welche Sorgen ich hatte – und was aus der kleinen Drohne geworden ist.
Was versprach die AR.Drone 2010?
Generell steh ich ja auf dieses Geek-Zeug. Vier Rotoren, zwei Kameras, und die Bilder werden per WLAN auf ein Apple-Gerät übertragen. Mit weiteren Drohnen soll sogar eine Art Luftkampf möglich sein: Die Flugmodelle bewegen sich in der realen Umgebung, die Waffen werden simuliert, die Treffer nur virtuell gewertet.
Vorgestellt hatte Parrot die AR.Drone im Januar 2010 auf der CES in Las Vegas, wo sie direkt einen Innovationspreis in der Kategorie Gaming-Hardware abräumte. In den USA ging sie im September 2010 für 299 Dollar in den Handel, bei uns lag sie bei rund 300 Euro. Diskutiert wurde sie damals auch im RC-Forum auf rcsky.de.
Die Technik in Zahlen
| Bauteil | AR.Drone (2010) |
|---|---|
| Frontkamera | 640 × 480 Pixel, 15 Bilder pro Sekunde |
| Bodenkamera | 176 × 144 Pixel, 60 Bilder pro Sekunde |
| Antrieb | vier bürstenlose Motoren mit je rund 15 Watt |
| Akku | Lithium-Polymer, 1000 mAh |
| Gewicht | etwa 360 g, mit Indoor-Schutzhülle etwa 400 g |
| Steuerung | WLAN, App auf iPhone, iPod touch oder iPad |
Die Bodenkamera war dabei keine Spielerei. Zusammen mit den Beschleunigungs- und Drehratensensoren misst die Drohne damit ihre Geschwindigkeit über Grund und kann so auf der Stelle schweben. Gerechnet wird das alles von einem kleinen ARM-Rechner mit Linux an Bord.
Was heißt eigentlich „AR“?
AR steht für Augmented Reality, also erweiterte Realität. Die App legt virtuelle Objekte über das echte Kamerabild. Bei der AR.Drone hieß das: Du siehst durch die Frontkamera dein Wohnzimmer, und darin tauchen virtuelle Gegner, Ziele oder Rennstrecken auf. Spiele wie AR.FlyingAce brachten so Luftkämpfe zwischen mehreren Drohnen ins echte Leben.
Meine Sorge um die Hardware – war sie berechtigt?
Sorgen hab ich mir damals schon ein wenig um die Hardware gemacht. 300 Euro sind nicht gerade viel, und ich konnte mir nicht so recht vorstellen, bürstenlose Motoren in dem Modell vorzufinden. Hohe Ströme fließen ja ebenfalls, und die Technik ist auf geringstes Gewicht getrimmt. Na mal sehen, dachte ich, vielleicht bewerte ich das alles nur über. Erst mal abwarten, wie die ersten Erfahrungsberichte ausfallen und was es in den ersten Wochen an Retouren gibt.
Aus heutiger Sicht kann ich zumindest bei den Motoren Entwarnung geben: Parrot hat tatsächlich vier bürstenlose Motoren verbaut, das stand so schon in der Pressemitteilung zum US-Start. Die erste Generation galt trotzdem als nicht ganz einfach zu fliegen. Erst die zweite Version wurde für ihre deutlich leichtere Steuerung gelobt.
Und ich hab mich damals schon riesig auf den Mittwoch gefreut.
Wie ging es mit der AR.Drone weiter?
Die AR.Drone wurde ein echter Erfolg. Bis Anfang 2013 hatte Parrot rund eine halbe Million Exemplare der beiden Generationen verkauft.
- 2012 kam die AR.Drone 2.0 mit 720p-Kamera, schnellerem Prozessor, Magnetometer und Drucksensor für die Höhe.
- 2013 folgten ein Flight Recorder mit GPS und 4 GB Speicher sowie stärkere Akkus. Die spätere Power Edition schaffte mit 1500 mAh rund 18 Minuten pro Akku.
- Ab 2014 schob Parrot die Bebop-Reihe nach, 2018 die faltbare Anafi. Die AR.Drone selbst wurde bis etwa 2018 gebaut.
Weil Parrot eine offene Programmierschnittstelle bereitstellte, landete die Drohne auch an Hochschulen. Forscher nutzten sie für Experimente mit kamerabasierter, autonomer Navigation. Gleichzeitig startete mit ihr die Debatte um Drohnen und Privatsphäre. In Deutschland bezeichnete die damalige Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fliegende Kameras als Gefahr für die Privatsphäre und forderte Regeln dafür.
Heute ist Parrot vor allem im professionellen Bereich unterwegs. Seit 2019 entwickelt die Firma unter anderem Aufklärungsdrohnen für das US-Militär, aus der Anafi wurde die ANAFI USA für Behörden und Streitkräfte. Den Consumer-Markt dominieren inzwischen andere Hersteller. Wie schnell sich das entwickelt hat, sieht man gut an meinem Beitrag zu den Polizei-Drohnen in Sachsen von 2008 – damals kosteten solche Fluggeräte noch einen fünfstelligen Betrag.
Darfst du so eine Drohne heute noch fliegen?
Im Wohnzimmer: ja. In geschlossenen Räumen gelten die Drohnenregeln in aller Regel nicht. Draußen sieht das seit der EU-Drohnenverordnung anders aus, und eine alte AR.Drone fällt mit ihren 360 bis 400 Gramm klar über die wichtige 250-Gramm-Grenze.
- Registrierung: Wer eine Drohne ab 250 g oder mit Kamera fliegt, muss sich beim Luftfahrt-Bundesamt als Betreiber registrieren und die Nummer sichtbar an der Drohne anbringen.
- Kompetenznachweis: Ab 250 g brauchst du den EU-Kompetenznachweis, für die Unterkategorien A1 und A3 ist das ein Online-Test beim Luftfahrt-Bundesamt.
- Ältere Drohnen ohne Klassenkennzeichnung: Modelle ab 250 g, die vor den neuen Regeln verkauft wurden, darfst du nur noch eingeschränkt fliegen – grob gesagt weit weg von Unbeteiligten und Wohngebieten.
- Versicherung: In Deutschland brauchst du für jede Drohne eine Haftpflichtversicherung, die das ausdrücklich abdeckt.
- Höhe: Maximal 120 Meter und immer in Sichtweite.
Regeln vor dem ersten Flug prüfen
Die Drohnenregeln haben sich seit 2021 mehrfach geändert, und vor Ort gelten oft zusätzliche Flugverbotszonen, etwa über Wohngrundstücken, Naturschutzgebieten oder in der Nähe von Flughäfen. Informier dich vor dem ersten Flug beim Luftfahrt-Bundesamt und in der offiziellen Drohnen-Karte über den aktuellen Stand.
Alte Akkus nicht unterschätzen
Wenn bei dir noch eine AR.Drone im Schrank liegt, schau dir vor allem den Akku genau an. Lithium-Polymer-Zellen altern auch ohne Benutzung. Ist der Akku aufgebläht, verformt oder wird er beim Laden ungewöhnlich warm, gehört er nicht mehr ins Ladegerät, sondern abgeklebt zur Sammelstelle.
Was bleibt von der AR.Drone?
Die AR.Drone hat vieles vorweggenommen, was heute selbstverständlich ist: das Smartphone als Fernsteuerung, Live-Video vom Fluggerät und Software, die das Schweben übernimmt, damit du dich aufs Fliegen konzentrieren kannst. Ganz ähnlich wie bei World of Warcraft mobile aufs iPhone war das iPhone hier plötzlich mehr als ein Telefon – es wurde zum Gamecontroller.
Was sich nicht durchgesetzt hat, ist die Kombination aus echtem Flug und virtuellem Luftkampf. Heute fliegen die meisten Hobbypiloten entweder kleine Kameradrohnen für Fotos und Videos oder FPV-Drohnen mit Videobrille. Und die Reichweitenprobleme mit WLAN kennt jeder, der schon mal versucht hat, ein Funksignal über größere Strecken zu bekommen – mein Bi-Quad-Antennen-Projekt lässt grüßen.
Häufige Fragen
Hatte die AR.Drone wirklich bürstenlose Motoren?
Ja. Parrot nannte schon in der Pressemitteilung zum US-Start im Juni 2010 vier bürstenlose Motoren, auch die AR.Drone 2.0 setzte darauf. Meine Sorge von damals war an diesem Punkt also unbegründet.
Wie lange fliegt eine AR.Drone mit einem Akku?
Die erste Generation kam mit einem 1000-mAh-Akku auf maximal etwa 15 Minuten. Die Power Edition der AR.Drone 2.0 schaffte mit 1500 mAh rund 18 Minuten. Alte Akkus liefern heute meist deutlich weniger.
Brauche ich für eine alte AR.Drone einen Drohnenführerschein?
Für Flüge im Freien brauchst du ab 250 Gramm den EU-Kompetenznachweis, eine Registrierung als Betreiber und eine Haftpflichtversicherung. Da die AR.Drone schwerer ist, gilt das auch für sie. Im Wohnzimmer brauchst du nichts davon.
Mein Fazit
Die AR.Drone war 2010 genau mein Ding: Modellbau, Technik und Zocken in einem Gerät. Meine Bedenken bei den Motoren waren unbegründet, Parrot hat ordentliche bürstenlose Antriebe verbaut. Als Sammlerstück oder Indoor-Spielzeug macht sie heute noch Spaß – wer draußen fliegen will, sollte vorher aber die aktuellen Drohnenregeln und den Zustand des Akkus prüfen.
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