Autobahn Potsdam Nürnberg

Als Möbelpacker von Potsdam nach Nürnberg, die Kamera immer im Anschlag: ein Porsche, ein Mähdrescher, nervige Linksfahrer – und was auf der Autobahn eigentlich gilt.

4–6 Minuten

Im Juli 2007 war ich ein Wochenende lang als Möbelpacker unterwegs, als ob ich sonst nichts zu tun gehabt hätte. Auf die Autobahnfahrt hatte ich mich trotzdem regelrecht gefreut. Diesmal wollte ich nicht nur passiv rumhocken, sondern die Strecke aktiv genießen, natürlich mit der Kamera. Hier ist mein kleines Fototagebuch von Potsdam nach Nürnberg, dazu ein paar Gedanken zu Linksfahrern, Dränglern und der Frage, ob es nicht auch ohne Auto geht.

Start in Potsdam

Los ging es in der Potsdamer Innenstadt. Die ist wirklich wunderbar, und es fiel fast ein bisschen schwer, sie gegen die unendlichen Weiten der Autobahn einzutauschen. Aber die Möbel wollten nun mal nach Nürnberg, also ab auf die Piste und dahinschweben.

Die Strecke: einmal die A9 runter

Von Potsdam nach Nürnberg sind es gut 400 Kilometer, und der naheliegende Weg führt fast komplett über die A9, die alte Verbindung von Berlin nach München. Vorbei an Leipzig, über das Hermsdorfer Kreuz, Hof und Bayreuth geht es bis nach Franken. Zu DDR-Zeiten war der nördliche Teil Transitstrecke zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik, mit dem Grenzübergang an der Saalebrücke bei Hirschberg und Rudolphstein. Heute erinnert daran unterwegs kaum noch etwas.

Für den Fahrer heißt so eine Strecke vor allem: Pausen einplanen. Eine Faustregel, die Verkehrsclubs gern nennen, lautet etwa alle zwei Stunden eine Pause. Als Beifahrer hatte ich es da leichter, wie du gleich lesen wirst.

Gel, Sonnenbrille und Heckspoiler

Ganz schnell hatten wir einen Elefantenturnschuh eingeholt, genauer einen Renault Clio. Dieser hier trug sogar einen fetzigen Heckspoiler und fette Alufelgen. Am Steuer saß ein junger, dynamischer, übergestylter Typ. Das Gel tropfte schon hernieder, und um die Sonnenbrille hätte ihn jeder Pilot beneidet. Der Beifahrer sah ähnlich aus.

So etwas stört mich eigentlich nicht. Was mich stört, sind notorische Mittel- und Linksfahrer. Denen kann man oft erst mit dramatischem Drängeln und Lichthupe klarmachen, dass es weiter rechts noch eine freie Spur gibt, auf der seit ungefähr fünf Kilometern niemand mehr gefahren ist. Das Beste daran: Die regen sich dann auch noch auf wie zwei junge Hühner. Wir waren übrigens nicht die, die gedrängelt haben. Alles nur beobachtet.

Was gilt eigentlich auf der Autobahn?

Die Szene von damals ist ein Klassiker, und beide Seiten machen etwas falsch.

Rechtsfahrgebot

Laut § 2 der Straßenverkehrs-Ordnung ist „möglichst weit rechts zu fahren“. Auf der Autobahn heißt das: Wer nicht gerade überholt, gehört auf den rechten Fahrstreifen, sobald der frei ist. Dauerhaftes Fahren auf der Mittelspur, obwohl rechts alles leer ist, ist ein Verstoß und kann ein Bußgeld kosten.

Lichthupe

Die Lichthupe ist nicht grundsätzlich verboten. Nach § 5 StVO darf das Überholen außerhalb geschlossener Ortschaften durch kurze Schall- oder Leuchtzeichen angekündigt werden. Kurz ist hier das entscheidende Wort.

Drängeln

Dichtes Auffahren mit Dauer-Lichthupe ist dagegen kein Ankündigen mehr. Zu geringer Abstand kostet je nach Tempo ein empfindliches Bußgeld, Punkte und im schlimmsten Fall ein Fahrverbot. Wer andere gezielt bedrängt, riskiert sogar ein Strafverfahren wegen Nötigung. Und spätestens beim nächsten Bremsmanöver wird aus dem Ärger ein Auffahrunfall.

Ruhig bleiben lohnt sich

Wenn dich ein Mittelspurschleicher nervt: Abstand halten, abwarten und regelkonform überholen. Rechts überholen ist grundsätzlich verboten. Nur wenn links eine Fahrzeugschlange steht oder langsam fährt, darfst du mit geringfügig höherem Tempo und äußerster Vorsicht rechts vorbei (§ 7 StVO). Und wenn dich jemand bedrängt, mach nach Möglichkeit Platz. Erziehen musst du auf der Autobahn niemanden.

Wohnwagen, Spiegelbilder und ein Porsche

Außerdem gab es Lkw und erschreckend viele Wohnwagen zu beobachten. Das war aber irgendwie langweilig. Lieber habe ich versucht, Spiegelbilder einzufangen, was auf der Autobahn gar nicht so einfach ist.

Eines unserer Highlights der Reise: Wir durften einen Porsche überholen. Wenn ich mal groß bin, hole ich mir auch so einen. Nach dieser Anstrengung bin ich erst einmal eine Weile weggenickt. Beim Aufwachen wartete gleich das nächste schöne Motiv: ein Mähdrescher. Danach kamen noch ein paar Windräder, und das war’s auch schon.

Trotz aller Aufmerksamkeit konnte ich auf der ganzen Strecke nicht allzu viele spannende Dinge entdecken, die es wert gewesen wären, dokumentiert zu werden. Autobahn ist eben Autobahn.

Fotografieren als Beifahrer

Wenn du aus dem fahrenden Auto fotografierst, hilft eine kurze Belichtungszeit gegen Verwackeln, etwa 1/1000 Sekunde oder kürzer. Halte das Objektiv nah an die Scheibe, dann siehst du weniger Spiegelungen vom Armaturenbrett. Und das Wichtigste: Fotografieren ist Beifahrersache. Wer fährt, hat die Hände am Lenkrad und das Handy aus der Hand gelegt.

Mein Fazit von damals: Auto fahren nervt

Nach dieser Fahrt stand für mich fest: Auto fahren nervt mit der Zeit. Günstige Alternativen mussten her, am besten mit dem Vorteil „einsteigen und los, aussteigen und da“.

Aus heutiger Sicht hat sich da einiges getan:

  • Deutschlandticket: Für 63 Euro im Monat (Stand 2026) fährst du bundesweit mit allen Nahverkehrszügen, Bussen und Bahnen. Von Potsdam nach Nürnberg kommst du damit auch, brauchst aber Zeit und mehrere Umstiege.
  • Fernverkehr: ICE und Fernbusse verbinden Berlin und Nürnberg direkt und sind oft schneller als jeder Möbelwagen.
  • Für Umzüge führt um das Auto oder den Lkw allerdings kein Weg herum. Was du beim Mieten beachten solltest, steht in meinem Beitrag zum Thema Lkw mieten.

Wie es beim nächsten Umzug lief, bei dem ich mit angepackt habe, kannst du in Umzug Dresden Chemnitz nachlesen. Und eine Autofahrt, die sich richtig gelohnt hat, endete für mich kurz vorher in Mühlhausen: Kurzurlaub in Mühlhausen.

Mein Fazit

Die Fahrt von Potsdam nach Nürnberg war kein großes Abenteuer, aber mit Kamera auf dem Beifahrersitz wird sogar die Autobahn ein bisschen spannender. Heute würde ich für so eine Strecke ohne Möbel eher den Zug nehmen. Und den Linksfahrern von damals würde ich gern das Rechtsfahrgebot ins Handschuhfach legen.

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