Struktur einer Gruppe

Das soziale Zusammenleben innerhalb der Gruppe ist geprägt durch Eigen- und Zusammenhandeln, durch Einheit sozial Handelnder mit gemeinsamen Werten und Interessen, durch wechselseitige Wahrnehmung der Beteiligten, durch Anwesenheit und direkte Interaktion. Hiermit sind einige grundlegende, gruppensoziologische Merkmalbestimmungen genannt, die bei kurzzeitig formierten Gruppen auftreten können. Diese Merkmale sind die Basis für die sozialen Prozesse innerhalb einer Gruppe. Sie können im speziellen Sinne dann Gruppenprozesse genannt werden. In der Interaktion der Individuen ergeben sie die Gruppendynamik.
Aufschlussreich sind bei der Untersuchung der Struktur zunächst die verschiedenen sozialen Rollen und Positionen (Status) in Hinblick auf die Verteilung von Macht, Kompetenz, Autorität oder anderer signifikanter Sozialressourcen Wie auch der Blick auf Unterwerfung oder Anpassung als spezifische Verhaltensweisen zeigt, aus denen sich möglicherweise eine Hierarchie oder ein andere spezifische Struktur ergibt. Bei der Gruppe „der Zuhörer“ kristallisiert sich auch recht schnell heraus, wer die Leitung und Führung der Gruppe übernimmt, diese Führungsperson wird meist stillschweigend als Redner der Gruppe anerkannt. Sei es, weil ein anderes Mitglied keine Meinung zu dem referierten Thema hat oder sich selber nicht befähigt fühlt, seine Aussage so zu formulieren, dass es von der Gruppe und dem Referierenden als akzeptable Aussage gewürdigt wird. Dies ist ein weiterer wesentlicher Faktor des Innen – Außen – Verhältnisses der Gruppe. Wie definiert sie sich nach innen als Gemeinschaft, zum Beispiel über Inhalte, Gefühle, Rituale und Werte? Wie grenzt sie sich vom Umfeld, von anderen Gruppen, einzelnen Personen oder der Gesellschaft ab? Dies ist die Gruppenkohäsion, sie bringt den inneren Zusammenhalt einer Gruppe zum Ausdruck. Bei Teams in einem Betrieb zum Beispiel lässt sich eine hohe Gruppenkohäsion daran erkennen, dass Absentismus (Fehlzeiten, Abwesenheit) und Fluktuation gering sind.

Die Gruppe in der Gruppendynamik

Eine Gruppe bezeichnet eine Sammlung von mindestens drei Personen (umstritten „zwei“), die in unmittelbarer Beziehung zueinander stehen. „Gruppe ist ein soziales System, dessen Sinnzusammenhang unmittelbar durch diffuse Mitgliederbeziehungen sowie durch relative Dauerhaftigkeit bestimmt ist.“ Somit bildet nicht jede zufällige Menge von Menschen eine Gruppe.
Der Begriff soziale Gruppe grenzt sich sowohl von der Zweierbeziehung (Dyade) -diese kann noch einmal gesondert betrachtet werden- als auch von einer Organisation, ab. Die Organisation ist eine Sozialform, die eine sehr große Ausdehnung in Bezug auf Mitgliederzahl, sowie in Hinsicht auf eine komplexe Sozialstruktur haben kann ( wird auch bei verschiedenen Autoren als „formelle Gruppe“ bezeichnet). Hier gelten die Merkmale der Gruppe nicht, da es oft eine anonyme Struktur gibt.
Die Gruppe ist häufig eine wiederkehrende Interaktion zwischen Menschen. Dies jedoch nicht zwangsläufig.
Jemand gehört einer Gruppe an, wenn:

  • Die Person sich der Gruppe zugehörig fühlt
  • Dies von der Gruppe nicht dementiert wird

Damit diese Bedingungen erfüllt werden können, muss so etwas wie eine Gruppenidentität (Wir – Gefühl) in jeder Gruppe vorhanden sein.
Das Wir – Gefühl ist ein wesentlicher Ausgangsfaktor für den Erhalt und Bestand von Gruppen, denn dieses „Gruppengefühl“ gründet in den Gefühlen von Zugehörigkeit und Zusammengehörigkeit. Zu den Qualitäten der Gruppe gehören die unmittelbare Interaktion eines Mitgliedes mit jedem anderen sowie Intimität und Vertrautheit.
„Eine gängige sozialpsychologische Definition ist die von Tajfel und Turner (1986, The social identity theory of intergroup behavior) : Sie definieren eine (soziale) Gruppe als eine Ansammlung von Individuen, die sich selber als Mitglieder derselben Kategorie wahrnehmen, die ein gewisses Maß an emotionaler Bindung an diese Kategorie aufweisen und die einen gewissen sozialen Konsens über die Beurteilung und ihre Mitgliedschaft in die Gruppe aufweisen.“
Kurze Zusammenfassung der Merkmale einer Gruppe:

  • direkte Kontakte zwischen den Gruppenmitgliedern (Interaktion)
  • physische Nähe
  • Wir – Gefühl (Gruppenbewusstsein)
  • gemeinsame Ziele, Werte, Normen
  • gegenseitige Beeinflussung
  • relativ langfristiges Ãœberdauern des Zusammenseins.

Gruppendynamik

Die Gruppendynamik beschäftigt sich mit den Vorgängen und Abläufen einer Gruppe von Menschen. Es wird davon ausgegangen, dass die Eigenschaften und Fähigkeiten einer Gruppe verschieden sind von der Summe der Eigenschaften und Fähigkeiten der einzelnen Personen der Gruppe.
Die gruppendynamischen Verfahren finden heute Anwendung in den verschiedensten Berufsfeldern: In der Pädagogik, in der Erwachsenenbildung, der Sozialarbeit, der Wirtschaft und Politik, der Beratung und Therapie. Sie werden zum Erwerb sozialer Kompetenzen, zur Entwicklung und Qualifizierung von Gruppen und Teams sowie zur Erforschung der interaktiven Prozesse in Gruppen eingesetzt.
Die angewandte Gruppendynamik hat seine Wurzeln in der experimentellen Kleingruppenforschung der 1940er Jahre. Der Begründer dieser Forschung war Kurt Lewin, einer der Pioniere der Gestalttheorie beziehungsweise Gestaltpsychologie.

Um die Gruppendynamik im einzelnen Erläutern zu können, muss noch mehr in die Tiefe gegangen werden. Eine Dynamik in der Gruppe entwickelt sich nur unter bestimmten Umständen. Hier werden nun die einzelnen Aspekte der Gruppendynamik beleuchtet, damit später das eigentliche Thema bearbeitet werden kann.

Fortsetzung folgt. 🙂