Im Februar 2008 kam ich auf die glorreiche Idee, mal ein wenig AdSense zu schalten. So langsam schauten ja öfter Besucher vorbei, toll, nech? Also Code eingebaut, Blog durchgeklickt – und gestaunt, was Google mir da für Anzeigen untergejubelt hat. Hier die Geschichte und was sich bei AdSense seitdem getan hat.
Katzen, wo keine Katzen sind
Beim ersten Durchklicken fielen mir gleich ein paar Ungereimtheiten auf. Neben einem Beitrag liefen Anzeigen rund um trockene Augen und den Gang zum Augenarzt. Hatte ich irgendwo von den trockenen Augen meiner Katze erzählt? Oder davon, dass die einen Augenarzt braucht? Eigentlich nicht.
Auf einer anderen Seite ging es um PageRank, und trotzdem tauchten Katzen in der Werbung auf. Stand da irgendwo etwas von Katzen? Von Miezen oder sonst was? Nö.
Aus heutiger Sicht habe ich zwei Verdächtige. Im Oktober 2007 hatte ich über „Nachts wie eine Katze sehen“ geschrieben – Katze plus Augen, und schon denkt AdSense an trockene Augen. Und im Beitrag „Qualitätsmerkmal PR kitten?“ stand schon im Titel das Wort „kitten“. Für eine Maschine, die gern Englisch liest, sind das eben Kätzchen. Ob es genau so war, weiß nur Google.
Was ich daraus gelernt habe
Etwas Gutes hatte das Ganze: Wenn es nicht mal AdSense schafft, die Relevanz meiner Seiten herauszufinden, wie soll die Suchmaschine sie dann richtig bewerten? So richtig gepeilt hatte ich das damals noch nicht, aber es gab mir neue Ansätze, was ich ändern musste. Mein Fazit von 2008 in einem Satz: Ich muss mehr labern.
Ganz falsch war das nicht. Kurze Beiträge mit drei Sätzen und einem Bild geben jedem Algorithmus wenig Futter. Wer klar schreibt, worum es geht, hilft Lesern und Maschinen gleichermaßen. Nur sollte es mehr Inhalt sein, nicht einfach mehr Wörter.
Wie AdSense Anzeigen auswählt
Grob gibt es zwei Wege, wie eine Anzeige auf deiner Seite landet:
- Kontextbezogen: Google analysiert den Inhalt der Seite und spielt dazu passende Werbung aus. 2008 war das praktisch die einzige Methode, und sie stolperte über wenig Text, mehrdeutige Begriffe oder Bilder, mit denen sie nichts anfangen konnte.
- Personalisiert: Die Anzeige richtet sich nach den Interessen des Besuchers, die Google aus seinem bisherigen Surfverhalten ableitet. Interessenbasierte Werbung führte Google erst 2009 ein.
Deshalb siehst du heute manchmal Anzeigen, die überhaupt nichts mit der Seite zu tun haben, aber viel mit dem, was du letzte Woche gegoogelt hast. Die Katzen-Werbung von damals hatte diese Ausrede noch nicht.
Niemals eigene Anzeigen klicken
Klicks auf die eigenen Anzeigen, auch „nur zum Testen“, verstoßen gegen die AdSense-Richtlinien. Das Gleiche gilt, wenn du Freunde bittest, mal ein paar Anzeigen anzuklicken. Google erkennt solche Muster und sperrt im Zweifel das ganze Konto. Willst du sehen, welche Anzeigen laufen, nutz die Vorschau-Tools im AdSense-Konto.
AdSense heute: Was du vor dem Einbau wissen solltest
AdSense gibt es nach wie vor, und der Einstieg ist sogar einfacher geworden. Mit „Auto Ads“ (automatische Anzeigen) setzt du nur noch einen Code, und Google sucht sich die Werbeplätze selbst. Das ist bequem, kann deine Seite aber auch ganz schön zupflastern. Schau dir das Ergebnis also genau an und schließ Bereiche aus, in denen dich Werbung stört.
Komplizierter ist der Datenschutz. Wer im Europäischen Wirtschaftsraum oder im Vereinigten Königreich personalisierte Anzeigen ausspielen will, braucht seit dem 16. Januar 2024 eine von Google zertifizierte Consent-Management-Plattform, die mit dem Transparency and Consent Framework (TCF) der IAB arbeitet. Für die Schweiz gilt das seit Ende Juli 2024. Ohne passendes Einwilligungs-Banner gibt es keine personalisierte Werbung, und die bringt in der Regel mehr Geld.
Was bringt AdSense einem kleinen Blog?
Ehrlich gesagt: meist wenig. Die Einnahmen hängen von Besucherzahl, Thema und Herkunft der Leser ab. Ein Hobbyblog mit ein paar hundert Besuchern am Tag verdient damit eher Kaffeegeld als Miete. Wenn deine Leser ohnehin Werbeblocker nutzen oder im Banner ablehnen, wird es noch weniger.
Gibt es Alternativen?
Je nach Thema kann sich anderes mehr lohnen als Bannerwerbung:
- Affiliate-Links zu Produkten, die du wirklich nutzt und empfiehlst. Die musst du als Werbung kennzeichnen und mit
rel="sponsored"versehen. - Direkte Kooperationen mit Herstellern oder Händlern aus deiner Nische, ebenfalls sauber gekennzeichnet.
- Unterstützung durch Leser, etwa über Spendenplattformen oder Mitgliedschaften.
Und manchmal ist die beste Lösung, einfach gar keine Werbung zu schalten. Deine Seite lädt schneller, du sparst dir das Banner, und die Leser danken es dir.
Die andere Seite der Medaille habe ich ein paar Wochen später übrigens auch noch kennengelernt, als mir ein Google-AdWords-Gutschein über 100 Euro in die Finger fiel.
Mein Fazit
Meine ersten AdSense-Anzeigen waren vor allem unfreiwillig komisch, haben mich aber dazu gebracht, über klare Inhalte nachzudenken. Heute würde ich auf einem kleinen Hobbyblog eher auf AdSense verzichten, weil der Aufwand mit Einwilligungen und der Ärger für die Leser in keinem Verhältnis zu den paar Euro stehen. Wer es trotzdem versucht, sollte die automatischen Anzeigen im Blick behalten.
Schreibe einen Kommentar